Oberstleutnant i.G. Jan Timpe

Deutscher Militärattaché in Syrien

 

 

Erfahrungen in Alltag und Krise

 

 

Bei hochsommerlichen Temperaturen und noch vor dem Anpfiff zum Halbfinale der deutschen Fußballelf konnten Oberstleutnant Martin Kohl, der stellvertretende Kommandeur des Artilleriebataillons 295, als Gastgeber, sowie Oberfeldwebel der Reserve Udo Tietz, der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Immendingen zahlreiche Gäste zu einem Vortrag im Rahmen der Immendinger Garnisonsvorträge im Offizierheim der Oberfeldwebel-Schreiber–Kaserne in Immendingen begrüßen. Der Referent, Oberstleutnant i.G. Jan Timpe vom Streitkräfteamt in Bonn berichtete von seiner Tätigkeit als Militärattache in Syrien und im Libanon. Der überaus engagierte Vortrag spannte den Bogen vom Alltag eines

„Diplomaten in Uniform" bis hin zur aktuellen Krise in Syrien. Das Tätigkeitsfeld eines Militärattaches ist auch unter Soldaten weitestgehend unbekannt und so wurde zunächst die äußerst hochwertige, zeitintensive und umfassende Ausbildung beleuchtet, immerhin müssen Sprachkenntnisse des Gastlandes auf einem sehr hohen Niveau erworben werden, damit man der Aufgabe gerecht werden kann. Neben der Beratung des jeweiligen Botschafters in sicherheits- und militärpolitischen Fragen, ist vor allem die Kontaktpflege in alle Bereiche der Gesellschaft des Gastlandes und die Erstellung von Berichten, welche bis in höchste Kreise der Bundesregierung vorgelegt werden, wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Militärattaches. Oberstleutnant Timpe war an der Botschaft in Damaskus auch zuständig für den Libanon, sowie anfangs auch noch für Jordanien.

Im zweiten Teil seines Vortrages verglich er zunächst die Tätigkeitsfelder sowie die Eigenheiten beider Länder und musste feststellen dass diese höchst unterschiedlich waren. Der offene, mediterrane und recht westlich orientierte Libanon ist ein Schwerpunkt deutscher militärpolitischer Zusammenarbeit, auch und vorallem seit die Bundesrepublik Marineeinheiten für die UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen bereitstellt. Nicht ganz ungefährlich ist die Arbeit in diesem Land trotzdem nicht, in dem verschiedene Religionsgemeinschaften und Völkergruppen zusammenleben und auch Politiker immer wieder Zielscheibe extremistischer Anschläge werden. Die Aktivitäten der Hizbollah wie auch der Palästinenser sorgen vor allem beim Nachbarn Israel für Unruhe.

Im dritten Teil seines Vortrages berichtete Oberstleuntant Timpe über die Entwicklungen in Syrien seit dem Frühjahr 2011, welche er noch bis in den Herbst letzten Jahres hautnah miterleben konnte, als seine Familie aus Sicherheitsgründen längst schon wieder nach Deutschland zurückgekehrt war. Es besteht in Syrien eine komplexe Situation, welche im Wesentlichen geprägt wird durch die Tatsache, dass Präsident Assad, und mit ihm die islamische Minderheit der Alewiten, das Land mittels eines großen Apparates, von teilweise bewaffneten Sicherheitsdiensten, sowie umfassender Überwachung, unter totale Kontrolle gebracht haben. Die Rahmenbedingungen seiner Arbeit waren dadurch ebenfalls stark erschwert, vor allem wenn es darum ging verlässliche Informationen aus gesicherten Quellen zu erhalten. Eine Vielzahl von Akteuren und Interessengruppen von außerhalb des Landes beeinflussen ebenso den zu einem Bürgerkrieg angewachsenen Konflikt. Die Entwicklung in Syrien hängt seiner Meinung wesentlich davon ab, ob es gelingt, die nach Rache und Vergeltung sinnende arabische Mentalität zu überwinden, staatliche Strukturen und einen gewissen kulturellen Hintergrund bringt die syrische Gesellschaft jedenfalls mit. Eine militärische Lösung schloss er indes aus.

 

 

 

 

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