Chancen und Möglichkeiten der Milizarmee

Schweizer Brigadier informiert Immendinger Reservisten

 

 

 

Bereits am Vorabend seiner Einsetzung als neuer Kommandeur des Artilleriebataillons 295 konnte Oberstleutnant Ingo Reershemius als Gastgeber einen Referenten zu einer gemeinsamen Vortragsreihe mit der Reservistenkameradschaft Immendingen sowie dem Verein der Freunde und Förderer des Artilleriebataillons 295 begrüßen.

 Brigadier Martin Vögeli aus dem nahen Schaffhausen trug zum Thema Chancen und Möglichkeiten der Milizarmee vor. Dass selbst ein General davon betroffen ist, zeigt sich an der Tatsache, dass er bereits seit Oktober 2010 das Kommando über die Infanteriebrigade 7 in Winterthur in seiner Milizfunktion ausübt. Hauptberuflich ist er Projektleiter der Sicher-heitsverbundsübung 2014.

Hintergrund der Einladung des Vorsitzenden der Reservistenkameradschaft Immendingen, Udo Tietz war die Aussetzung der Wehrpflicht in Deutschland im Sommer letzten Jahres.

 

Die Kernaussage des Schweizer Generals war dabei der Gedanke, dass die Milizarmee dem schweizerischen Verständnis des „ Bürgers in Uniform „ entspricht, so wie es einst in der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls als Legitimation der allgemeinen Wehrpflicht diente. Die Existenz der Armee und deren Organisationsform in Gestalt der Miliz sind in der Verfassung verankert. Jeder einzelne Bürger trägt auch in der Sicherheitspolitik Verant-wortung. Das Ende des Kalten Krieges brachte auch in der Schweiz gewisse Anpassungen im Personalumfang mit sich. Die Bürgerpflicht umfasst aber nicht nur die Wehrpflicht selbst, sondern vielmehr auch die Pflicht, eine Aufgabe zu übernehmen, die der eigenen persönlichen und beruflichen Eignung entspricht Damit ist auch die Weiterausbildung und die Übernahme weitergehender Verantwortung in der Armee enthalten. Ein ziviler Ersatzdienst ist vorgesehen, Frauen können freiwillig dienen.

Die Aufgaben der Schweizer Armee umfassen die klassische Landesverteidigung, die Unterstützung ziviler Behörden bei Naturkatastrophen, aber auch bei sicherheitsrelevanten Veranstaltungen, wie etwa dem Weltwirtschaftsforum in Davos oder sportlichen Großveran-staltungen (meist auf Antrag der Kantone) sowie in beschränktem Umfang auch friedensfördernde Maßnahmen im Ausland.

So sind Soldaten der Schweizer Armee schon seit Jahren im Kosovo tätig oder im Rahmen von UN-Mandaten in Afrika.

Mit dem Milizsystem sind Vorteile aber auch Nachteile verbunden. Das Know How und die Fähigkeiten aus den zivilen Tätigkeiten fließen stärker in die Armee ein. Man kann auf eine große Anzahl von Soldaten zurückgreifen ohne aber hohe Kosten für deren Ausrüstung und Unterbringung aufwenden zu müssen. Durch die jährlichen Wiederholungskurse wird das Wissen auf aktuellem Stand gehalten. Die Integrationswirkung auf die gesamte Gesellschaft ist gewährleistet. Durch das Milizsystem muss man nicht ständig eine hohe Anzahl von Soldaten in Bereitschaft halten, sondern kann bedarfsorientiert reagieren. Bei spezifisch militärischen Fähigkeiten gibt es nur eine eingeschränkte Professionalität und damit auch keine Teilnahme an Auslandseinätzen. Die Schweiz kennt nur sehr wenige Berufssoldaten, welche den Grundbetrieb sichern. Gerade nach dem kalten Krieg bzw. in Zeiten mit vermeintlich tiefer Bedrohungslage wird die Akzeptanz etwas problematisch. Dennoch betonte Brigadier Vögeli die noch immer hohe Zustimmung in der Bevölkerung zur Armee und zum Milizsystem und belegte diese mit aktuellen Zahlen aus repräsentativen Umfragen. Dies trotz einer Gruppe welche sich für eine Schweiz ohne Armee einsetzt und die seit fast 2 Jahrzehnten immer wieder für die Abschaffung der Armee kämpft. Die direkte Demokratie, also die Abstimmung solcher Ansinnen durch das Volk bestätigt, dass die Mehrheit der Bürger die Miliz immer noch als ideale und logische Ergänzung zur Demokratie schweizerischer Prägung sieht.

 

 

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