RK-Abend mit Vortrag von Oberstleutnant Harald Kammerbauer

Ein weiterer Brennpunkt in Afrika für die Europäische Union

 

Ehemaliger Angehöriger  des Immendinger Artilleriebataillons 295 im Einsatz bei der EUFOR in der Zentralafrikanischen Republik

 

Mit Oberstleutnant Harald Kammerbauer konnte der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Immendingen 1963 e.V., Oberfeldwebel der Reserve Udo Tietz, den ehemaligen stellvertretenden Kommandeur des  Artilleriebataillons 295, wieder einmal in Immendingen begrüßen.

Oberstleutnant Kammerbauer, ein Artillerist und zuletzt Kommandeur des inzwischen aufgelösten Panzerartilleriebataillons 285 in Münsingen, kam über eine Verwendung in Berlin, wo er Pressesprecher der Bundesminister der Verteidigung Struck und Jung war, vor 6 Jahren als Leiter der Presse- und Informationsarbeit nach Ulm zum Multinationalen Kommando Operative Führung.

Dieser Europaweit einzigartige Verband mit Soldaten aus 16 Nationen führt als Einsatzführungsstab multinationale Einsätze, unter anderem auch für die Europäische Union (EU). In seiner Einführung ging Kammerbauer daher zunächst auf die Besonderheiten der Einsätze unter der Führung der EU ein, welche im Gegensatz zur NATO über keine dauerhaften Strukturen verfügt und daher bei allen Einsätzen auf die Mitwirkung aller 28 Mitgliedsstaaten angewiesen ist. Zudem beschrieb er den teilweise recht schwierigen Weg der Konsensfindung bei der Aufstellung einer EU-geführten Truppe, bevor er dann auf den eigentlichen Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik einging, bei der es im Gegensatz zu dem Einsatz in Mali, eben nicht um Beratung und Ausbildung geht, sondern um die Beilegung eines Konfliktes mit militärischen Mitteln.  Die Sahelzone ist in ihrer ganzen Breite von Ost nach West durchzogen von vielen bekannten Konfliktherden, angefangen vom Sudan und Südsudan über den Tschad und die Demokratische Republik Kongo bis hinüber nach Mali, und oft geprägt von Streitigkeiten um Gebiete und Grenzen, die von den Kolonialmächten unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit gezogen wurden. Teilweise geht es auch um reiche Vorkommen an Bodenschätzen, aber auch vermehrt um das Aufeinandertreffen von Christen und Muslimen in dieser Region. Unbeachtet in der Weltöffentlichkeit blieben die Geschehnisse in der Zentralafrikanischen Republik, einem Staat mit knapp 5 Millionen Einwohnern weitestgehend. Präsident Francois Bozize wurde im Frühjahr 2013 durch einen Staatsstreich von Michel Djotodia, einem Rebellenführer der Seleka, einer Vereinigung militärisch organisierter Muslims abgelöst. Dabei ging es nur vordergründig um eine Auseinandersetzung zwischen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit, vielmehr tobte ein grausamer Machtkampf zwischen der Seleka-Miliz und der Anti-Balaka („gegen die Machete“) Bewegung, der innerhalb eines Jahres für mehr als 603.000 Vertriebene und Binnenflüchtlinge sorgte, davon waren alleine in der Hauptstadt Bangui 130.000 muslimische Flüchtlinge auf dem Flughafen untergebracht. Ende 2013 versuchte die Afrikanische Union diesem Treiben mit 6.000 eigenen Soldaten unter dem Namen MISCA ein Ende zu bereiten. Leider verfolgten die überwiegend aus den Nachbarstaaten stammenden Truppen dabei eigene Interessen, die zudem keine einheitliche Führung hatten. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff dann mit 2.000 Soldaten, die überwiegend in der Region stationiert sind, in der Operation SANGARIS in das Geschehen ein, bevor es im Frühjahr 2014 zu einer UN-Resolution kam, die der Schaffung einer Blauhelmmission mit dem Namen MINUSCA im Umfang von 12.000 Soldaten zustimmte. Um jedoch den Prozess der Aufstellung wirksam zu begleiten beschloss die EU im Februar 2014 auf Drängen Frankreichs die EUFOR RCA mit 1.000 Soldaten aufzustellen und nahm die Arbeit vor Ort ab April 2014 auf. Dieses Mandat endet im kommenden Monat. Die EU-Truppe war sehr erfolgreich, weil sie im Gegensatz zu den französischen Truppen, nicht den Eindruck von Parteilichkeit zu Gunsten der Christen machte und durch eine Patrouillentätigkeit vor allem nachts wieder für Ruhe sorgte. Der eingesetzten Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza gelang es nicht Stabilität herbeizuführen, vielmehr wechselte die Regierung bereits zweimal in der Zeit. Die UN-Truppen werden in Kürze die Verantwortung in dem, in 3 Sektoren unterteilten Land, übernehmen und versuchen die Konfliktparteien wirksam zu trennen.

 Oberstleutnant Kammerbauer stellte sehr anschaulich seine Tätigkeit in diesem Einsatz im, in Larissa in Griechenland aufgestellten Hauptquartier dar welcher überwiegend von griechischen Soldaten gestellt wurde. Deutschland entsandte zunächst 10 Soldaten von denen nach anfänglichen Schwierigkeiten vor Ort auch deutsche Soldaten eingesetzt werden konnten. Interessant war zu erfahren, dass die EU stets einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, bei dem die Stabilisierung im Vordergrund steht und nicht das bloße militärische Eingreifen. Die zivile Hilfe beim Aufbau einer Regierungsstruktur, des Polizeivollzugsdiensts und wirtschaftlichen Perspektiven spielt eine entscheidende Rolle. Der Prozess beim Aufbau dieser Truppe verdeutlicht auch wie mühsam und schwierig es ist und welche rechtliche und finanzielle Fragen geklärt werden müssen bevor man sich der eigentlichen Aufgabe zuwenden kann.

Bei den zahlreich erschienenen Reservisten ließ Oberstleutnant Harald Kammerbauer keine Fragen offen.

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